#unserplan: Zukunft aktiv mitgestalten

Unser Strategiepapier mit vier Themenfeldern jetzt vorgestellt. Gleich mehr erfahren.

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„Wir ziehen Räume an“: Andreas & Tobias Zwing im Fokus

Mit der Tradition im Gepäck und den Blick stets auf internationale Trends gerichtet, übernahmen Tobias und Andreas Zwing das Traditionsunternehmen von ihrem Vater und leiten es nun gemeinsam in dritter Generation, mit hohem Anspruch an Service und Qualität.

Wir haben den Brüdern ein paar Fragen gestellt:

Ihr führt das Unternehmen in 3. Generation, wie geht’s euch damit?

Wir können sagen, dass wir einen sehr erfüllenden Beruf und große Freude damit haben. Es gibt schon einen gewissen Druck, aber die Leidenschaft und das Engagement sind auf jeden Fall gegeben. Wir profitieren von dem Wissen und der Erfahrung unseres Vaters, haben eine hervorragende Belegschaft und die Auftragsbücher sind voll.

Habt ihr eine klare Abgrenzung und jeder seinen eigenen Bereich? Oder entscheidet ihr meistens gemeinsam?

Sowohl als auch!

Tobias:

„Andreas ist der perfekte Partner für mich. Er ist durch und durch Handwerker, er hat die nötige Geduld und ist in seiner Arbeit perfektionistisch. Man muss sich vorstellen: Als „Ausgleich“ zu den Arbeiten mit Textilien untertags, erfreut er sich in seiner Freizeit am Arbeiten mit dem Werkstoff Holz. Das ist aber nicht nur sein Hobby, sondern natürlich auch eine Bereicherung für unser Schaffen. Schon als Kind hat er in unserer Werkstätte mit seiner Geschicklichkeit überrascht. Er ist also für den ausführenden Teil verantwortlich.

Ich hingegen kümmere mich um Planung, Beratung und den kaufmännischen Teil.“

Andreas ergänzt:

„Den perfekten Partner kann ich retournieren. Wir haben eine klare Aufgabenteilung. Unsere Produkte sind aber sehr komplex in der Herstellung, deshalb stehen wir auch im ständigen Austausch und finden schlussendlich immer gemeinsame Lösungen. Auch mit allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.“

Wie war die Übergabe von eurem Vater an euch? Mischt er noch mit oder lässt er euch freie Hand?

Auch beides! Da wir uns gemeinsam mit unserem Vater schon in den Jahren davor stark mit der Übergabe/Übernahme des Betriebes auseinandergesetzt haben und einen anerkennenden und respektvollen Umgang pflegen, profitieren beide Seiten von der guten Zusammenarbeit. Win-win-Situation. Wir beide waren früher skeptisch, aber wir haben es geschafft sehr gut miteinander zu arbeiten. Seitdem wir unser Können unter Beweis gestellt haben, lässt er uns im Grunde freie Hand, steht aber immer für Hilfestellungen zur Verfügung. Er wird uns noch lange zur Seite stehen und im Hintergrund unterstützen. Unser Opa war auch bis zum Schluss mit dabei. So wie das Geschäft jetzt dasteht, ist das das Lebenswerk unseres Vaters. Er genießt es natürlich, etwas zurücktreten zu können – aber vor allem, dass Kinder, und gleich zwei, erfolgreich weitermachen und er uns unterstützen kann.

War immer schon klar, dass ihr beide ins Geschäft einsteigt? Habt ihr beide eine klassische Raumausstatter-Lehre absolviert?

Ganz und gar nicht. Es gab eine Zeit, da war keines der sechs Kinder an einer Übernahme interessiert. Erst als sich herauskristallisiert hat, dass wir beide uns so optimal ergänzen, kam die große Motivation, den Betrieb zu zweit zu übernehmen.

Andreas:

„Ich habe den klassischen Werdegang absolviert: Zuerst konnte ich auswärts in die Lehre gehen, bei Clemens Märk in Hohenems. Als Geselle bin ich dann ca. zwei Jahre nach Tobias in den Betreib eingestiegen. Im Jahr 2017 haben wir dann beide die Raumdesigner-Akademie und somit die Meisterprüfung mit ausgezeichnetem Erfolg absolviert.“

Tobias:

„Ich habe über Umwege hierher gefunden. Nach der HAK habe ich die Interior Design School & Academy in Salzburg absolviert. Anschließend bin ich zur Militärmusik, wodurch ich im Anschluss ein Jahr lang Schlagwerk im Konservatorium in Feldkirch studiert habe. Danach habe ich ein Jahr als außerordentlicher Student an der Universität für angewandte Kunst im Fach Grafik und Werbung in Wien studiert. Dann kam aber bald die Idee auf, mit Andreas in den Familienbetreib einzusteigen. Und über diesen Schritt bin ich mehr als glücklich. Es folgte dann betriebsintern die handwerkliche Ausbildung.

Ich führe mittlerweile zwar keine Arbeiten in den Werkstätten mehr aus, aber bei der Beratung und Planung laufen im Hinterkopf immer die technischen Möglichkeiten mit. Diese fachliche Kompetenz ist essentiell für meine Arbeit. Mit der Meisterprüfung in Salzburg absolvierte ich dann auch die Unternehmerprüfung in Wien. Und der wichtigste Lehrmeister ist im Großen und Ganzen mein Vater, weil hinter dem erfolgreichen Führen eines Unternehmens doch noch einiges mehr steckt. Wobei unsere Mutter mit der allerbesten Erziehung an dieser Stelle auch nicht zu kurz kommen darf.“

Bleibt Geschäft, Geschäft und Privates privat? Oder wird’s im Privaten auch mal geschäftlich?

Wir versuchen schon in gewissen Bereichen zu trennen, aber es begleitet uns dennoch die ganze Zeit. Wir machen das mit Leidenschaft und dann kommen Ideen auch vor dem Einschlafen oder sonst in der Freizeit. Solange wir das mit Begeisterung machen, sehen wir die Vermischung allerdings nicht als problematisch. Sollte es einmal genug sein, dann haben wir genügend andere erfreuliche Dinge im Leben.

Wie seid ihr persönlich zu Hause eingerichtet? Gemütlich mit viel Teppich, Tapeten und Vorhängen oder eher cool und minimalistisch?

Tobias:

„Der persönliche Anspruch ist durch unsere Tätigkeit hoch. Wir beschäftigen uns täglich mit der bestmöglichen Gestaltung mit Vorhang- und Polsterarbeiten, Tapeten und Teppichen und dementsprechend sind wir bei mir Zuhause doch auch reichlich damit ausgestattet. Ich wäre wohl etwas minimalistischer, aber durch meine Freundin leben wir uns mit Textilien aus. Glücklicherweise sitzen wir ja an der Quelle.“

Textile Einrichtung schließt Minimalismus und Coolness meiner Meinung nach nicht aus.

Man darf bei Vorhängen zum Beispiel nicht an seine Großeltern denken – da hat sich doch einiges weiterentwickelt. Das Material, das Gewebe und die Ausführung müssen sich nach der architektonischen Vorgabe richten. Das bedeutet, dass mit Feingefühl auf die unterschiedlichen Wohn- und Arbeitswelten eingegangen werden muss. Wir setzen uns mit moderner, puristischer Architektur genauso auseinander wie mit einer klassischen Villa, einem renovierten Bauernhaus oder einem Großraumbüro. Ein Hotel kann sowohl sehr traditionell behübscht als auch sehr schlicht oder abenteuerlich eingerichtet werden. Die Möglichkeiten der textilen Einrichtung sind sehr groß.

Vorhänge spielen selten die erste Geige in einem Raum, deshalb müssen sie meist behutsam eingesetzt werden. Bei einem zweiten Blick darf ihre Wertigkeit aber sehr wohl beeindrucken. Vor einer Beratung muss ich immer vor Ort die Persönlichkeiten, die Architektur und die Einrichtung gesehen haben. Erst dann kann eine seriöse Planung und Beratung angeboten werden.“

Andreas:

„Ich liebe es ehrlich gesagt, an den Details meiner eigenen Einrichtung zu arbeiten und diese aufzuwerten. Ausgestattet habe ich mich also genügend mit Arbeiten aus unseren Werkstätten, was eine sehr schöne Wohnqualität bietet.

Der Boom der Teppichböden ist zwar schon vor einigen Jahren verloschen, wir beobachten, dass sie wieder stärker nachgefragt werden – in Büros etwa als Schallschutz bei all den glatten Flächen, aber auch im privaten Bereich. Ich selbst würde den vollflächig verlegten Teppichboden in meiner Wohnung jedenfalls nie durch einen glatten Bodenbelag eintauschen. Meine selbst angefertigten Polstermöbel auch nicht.“

Wie geht’s euch seit dem ersten Lockdown? Hat sich eure Einstellung verändert? Habt ihr an eurer Strategie etwas geändert? Die Leute sind ja wesentlich mehr zu Hause und wollen hier verändern.

Tobias: „Wir waren auf Kurzarbeit und haben andere Notfall-Lösungen vorbereitet, glücklicherweise kam es aber nie dazu. Im Gegenteil: Der Betrieb läuft kontinuierlich erfolgreich, und seit der Pandemie sind die Aufträge noch stark gestiegen. Wir haben neben einem Lehrling vor wenigen Wochen noch eine zusätzliche Person in der Näherei eingestellt. Unser Ziel ist es nicht größer zu werden, weil dann die Zeit für sorgfältige Detailarbeit an unseren anspruchsvollen Arbeiten verloren gehen würden. Auf der anderen Seite ist es nicht immer leicht, Kunden zu erklären, dass wir unsere Leistungen gerne anbieten, aber erst in mehreren Monaten wieder Kapazitäten für die Umsetzung haben.“

Andreas: „Ja, die Menschen sind wesentlich mehr zu Hause. Mit der Einrichtung ist es wie mit der eigenen Kleidung: Es ist etwas sehr persönliches. Man zeigt, wie man ist und wie man gesehen werden möchte. Hier bekommen wir laufend kleine Erfolgserlebnisse, weil wir mit unseren handwerklich angefertigten Produkten immer aufwerten und verschönern. Wenn wir zum Beispiel die Vorhänge unserer Kunden einmal abnehmen, um sie zu reinigen, dann spüren die Leute wie nackt und kalt die Räume ohne dieses Textil sind. Dementsprechend bemühen wir uns, sie baldmöglichst wieder anbringen zu können.“

Tobias: „Das Auseinandersetzen mit der eigenen Einrichtung ist durch die Pandemie in den letzten Monaten auf jeden Fall gestiegen. Gerade im Polster- und Vorhangbereich spüren wir das sehr.

Strategie haben wir nach wie vor dieselbe: Wir glauben, dass wir mit einer fachlich kompetenten Beratung, einer starken Stoffauswahl und einer anspruchsvollen Ausführung der Nachfrage gerecht werden können. Auf diesem Niveau lassen sich unsere Produkte nicht über das Internet verkaufen. Einen Stoff muss man angreifen und spüren, sehen wie er fällt und vor Ort ansehen können. Und auch die persönliche Beratung ist hier wichtig“

Beschreibt euch gegenseitig mit 5 Worten!

Tobias:

„Andreas ist handwerklich sehr begabt, perfektionistisch, sorgfältig, innovativ und motivierend.“

Andreas:

„Ich empfinde Tobias als ehrgeizig, anspruchsvoll, charmant, kreativ und einfühlsam.“

Was wollt ihr den JWV Mitgliedern mitgeben?

Unser Großvater wollte eine Tischlerlehre absolvieren. Es gab zu diesem Zeitpunkt aber keine freie Stelle für ihn, weshalb er das Handwerk „Raumausstatter und Sattler“ erlernte. Weshalb wiederum unser Vater den Beruf „Raumausstatter und Bettwarenerzeuger“ erlernte. Ohne diesen Hintergrund wären wir nicht hier gelandet. So geht es wahrscheinlich vielen Jungunternehmern, die ein Geschäft übernehmen: Man kann sich bei einer familiären Übernahme das Geschäft nicht aussuchen und muss daher sehr gut überlegen, ob dies das Richtige für einen oder eine selber ist.

Unser Ziel ist es nun, unsere gemeinsame Berufung erfolgreich und zufrieden umzusetzen. Ein Familienunternehmen weiterzuführen ist eine Herausforderung. Wir sind hier nicht nur Partner im Betrieb, sondern auch Vater, Brüder und Söhne. Diese Rollen lassen sich nicht einfach ablegen. Um diverse Themen bestmöglich abzuwickeln, haben wir in professionelle Unterstützung, sowohl im geschäftlichen als auch im psychologischen Bereich, investiert. Dadurch haben wir es geschafft, unsere individuellen Vorstellungen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen und einander besser zu verstehen. Bei uns hat sich das gelohnt. Das können wir wirklich weiterempfehlen.

Wenn auch du neue Emotionen in dir wecken möchtest – das Wohnen ist derzeit ja schon ein großes Thema – Tobias und Andreas Zwing stehen dir mit Rat und Tat zur Seite und beraten dich individuell und kompetent.

Fotocredit: Marina Schedler Photography