Frage 1: Liebe Sara, Schneemanagement-Systeme sind ja doch ein ziemliches Nischenprodukt. Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, genau dafür ein Unternehmen zu gründen?
Antwort 1: Der Beginn meiner Gründung liegt in einem Moment, der mir bis heute sehr präsent ist. Ich war als 28-Jährige an einem tief verschneiten Wintertag bei meinem Großvater in Vorarlberg zu Besuch. Auf seinem Dach hatten sich gefährliche Schneemengen angesammelt. Nur wenige Sekunden, nachdem wir das Haus betreten hatten, löste sich eine tonnenschwere Dachlawine – genau dort, wo wir gerade noch gestanden hatten.
Dieser Moment hat mir gezeigt, wie unberechenbar Schnee sein kann – und gleichzeitig, wie viel Potenzial darin steckt, ihn gezielt und sicher zu bewegen. Die Frage ließ mich nicht mehr los: Warum kann man Schnee nicht ähnlich kontrolliert von einer Fläche transportieren wie andere Materialien – automatisch, zuverlässig und gefahrlos?
Die entscheidende Idee kam wenig später, beim Zubereiten einer Vorarlberger Spezialität. Beim Schaben des Teigs für Käsknöpfle kam mir der Gedanke: Was wäre, wenn man dieses Prinzip auf Schnee übertragen könnte?
Aus dieser Frage entstand die Idee für twistor. „Ich wollte nicht nur ein Produkt entwickeln, sondern eine Lösung für Sicherheit und mehr Ertrag.“
Frage 2: Mit twistor habt ihr ein automatisiertes System entwickelt, das Schnee kontrolliert vom Dach befördert. Welches Problem löst ihr damit konkret und für wen ist eure Lösung besonders interessant?
Antwort 2: Mit twistor lösen wir gleich mehrere Probleme, die mit Schnee auf Dächern verbunden sind. Im Kern geht es um Sicherheit, Effizienz und die optimale Nutzung von Dachflächen.
Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Rotierende Schaufeln zerteilen die Schneelast und transportieren den Schnee kontrolliert vom Dach. Das Dach bleibt schneefrei, ohne dass Menschen für die Räumung auf das Dach müssen. Ursprünglich aus dem Gedanken heraus entwickelt, Personen und Sachwerte vor unkontrollierten Dachlawinen und hohen Schneelasten zu schützen, bietet twistor heute einen zusätzlichen, wirtschaftlich besonders interessanten Vorteil – vor allem für Dächer mit Photovoltaikanlagen. Denn Schnee auf Solarpanels bedeutet zunächst einmal: kein Energieproduktion. Gleichzeitig müssen PV-Anlagen aufgrund der Gefahr von Dachlawinen und der notwendigen Schneerückhaltebereiche häufig mit Abstand zur Dachkante montiert werden. Dadurch bleibt wertvolle Dachfläche ungenutzt – und damit auch Potenzial für zusätzliche Solarenergie.
Mit twistor kann dieses Problem neu gedacht werden. Indem der Schnee kontrolliert und automatisiert vom Dach entfernt wird, lässt sich die Dachfläche deutlich effizienter nutzen. Das schafft die Möglichkeit, mehr Photovoltaik zu installieren und damit mehr saubere Energie zu erzeugen. Aus einer Lösung für ein Sicherheitsproblem wird so gleichzeitig eine Lösung für mehr Energieertrag und eine bessere Nutzung vorhandener Flächen.
Auch technisch ist twistor bewusst auf Einfachheit und Flexibilität ausgelegt. Das neuartige System lässt sich vergleichsweise einfach montieren und dank seines modularen Aufbaus an nahezu unterschiedliche Dachtypen und Gegebenheiten anpassen.
Frage 3: Von der ersten Idee bis zu einem patentierten Produkt ist es ein weiter Weg. Was war für dich in der Entwicklung von twistor die größte Herausforderung?
Antwort 3: „Erfinden kommt von Nicht-damit-Abfinden.“ Dieser Satz hat mich von der ersten Idee bis zur Patentierung begleitet. Denn die größte Herausforderung war für mich nicht nur, eine technische Lösung zu entwickeln, sondern immer wieder an die Idee zu glauben und dranzubleiben, auch wenn der Weg dorthin noch völlig offen war.
Gemeinsam mit meinem Vater, einem erfahrenen Technikprofi, habe ich aus den ersten Skizzen Schritt für Schritt einen funktionierenden Prototypen entwickelt. Es wurde getüftelt, getestet, verworfen und neu gedacht. Aus einer zunächst ungewöhnlichen Idee musste ein System werden, das technisch funktioniert, sicher ist, sich in der Praxis bewährt und schließlich auch patentfähig ist.
Ein ganz besonderer Moment war mein 30. Geburtstag: An diesem Tag habe ich das Patent für twistor erhalten. Für mich war das weit mehr als ein Dokument – es war die Bestätigung, dass aus einer Idee tatsächlich eine neue technische Lösung geworden war.
Danach ging die eigentliche Arbeit natürlich weiter: Patentierung, technische Abnahmen, Tests, Serienentwicklung und Finanzierung erfordern viel Geduld, Fachwissen und Ausdauer. Gerade als junges Unternehmen ist jeder Entwicklungsschritt auch eine Herausforderung.
Umso wichtiger sind die Momente, in denen sich zeigt, dass twistor in der Praxis funktioniert. Jedes erfolgreiche Pilotprojekt und jedes positive Feedback aus schneereichen Regionen bestätigt uns darin, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.
Heute ist twistor patentiert und ausgezeichnet – und wir arbeiten daran, aus einer Idee aus Vorarlberg eine Lösung zu machen, die weltweit dort zum Einsatz kommen kann, wo Schnee zur Herausforderung wird.
Frage 4: Was hat sich für dich persönlich verändert, seit du Unternehmerin bist und was hast du auf diesem Weg über Unternehmertum gelernt?
Antwort 4: Was sich für mich persönlich am meisten verändert hat, ist mein Blick auf Probleme. Ich frage heute viel häufiger: „Warum eigentlich nicht?“ Denn genau aus dieser Haltung entstehen oft die besten Ideen. Mein Leitsatz „Erfinden kommt von Nicht-damit-Abfinden“ begleitet mich dabei bis heute.
Unternehmerin zu sein bedeutet für mich, neugierig zu bleiben, Verantwortung zu übernehmen und den Mut zu haben, Dinge anders zu denken – auch dann, wenn der Weg noch nicht klar vorgezeichnet ist. Ich habe gelernt, dass man nicht von Anfang an wissen muss, wie man ans Ziel kommt. Entscheidend ist, den ersten Schritt zu machen, Erfahrungen zu sammeln und immer wieder den nächsten Schritt zu wagen. Eine weitere wichtige Erkenntnis ist: Eine gute Idee alleine reicht nicht. Erst durch Zuhören, Ausprobieren und kontinuierliches Hinterfragen wird aus einer Idee eine Lösung, die Menschen wirklich brauchen. Mein persönlicher Tipp für Gründer:innen ist deshalb, möglichst früh und regelmäßig mit Anwender:innen zu sprechen.
Echtes Feedback aus der Praxis ist durch nichts zu ersetzen. Es bestätigt die eigene Idee – oder zeigt einem, wo man noch besser werden kann. Und man muss den Weg nicht alleine gehen. Ein Umfeld aus Menschen, die einen unterstützen, aber gleichzeitig auch ehrlich herausfordern, ist unglaublich wertvoll. Gerade wenn es schwierig wird, braucht es Menschen, die an die Vision glauben und gleichzeitig den Blick von außen bewahren.
Wenn ich aus meiner bisherigen Reise eine Sache mitgenommen habe, dann diese: Unternehmertum bedeutet für mich, aus Herausforderungen Möglichkeiten zu machen und den Mut zu haben, aus einer Idee Realität werden zu lassen.
Frage 5: Wenn du auf die bisherige Entwicklung von twistor zurückblickst: Welche Meilensteine waren für dich besonders wichtig und was begeistert dich persönlich am meisten an deiner Arbeit?
Antwort 5: Wenn ich auf die bisherige Entwicklung von twistor zurückblicke, gab es einige ganz besondere Meilensteine. Der erste war natürlich der Moment, in dem aus einer ungewöhnlichen Idee eine konkrete technische Lösung wurde. Gemeinsam mit meinem Vater aus ersten Skizzen einen funktionierenden Prototypen zu entwickeln und zu sehen, dass das Prinzip tatsächlich funktioniert, war für mich ein unglaublich wichtiger Schritt.
Ein weiterer ganz besonderer Meilenstein war die Patentierung von twistor – und das ausgerechnet zu meinem 30. Geburtstag. Damit wurde aus einer Idee endgültig eine geschützte technische Innovation. Danach folgten die ersten Tests und Pilotprojekte, die technische Weiterentwicklung und schließlich die ersten Anwendungen in der Praxis.
Was mich besonders stolz macht: In kürzester Zeit wurde aus unserem ersten Prototyp ein serienreifes Produkt – und schon kurz darauf ging twistor in den Export nach Schweiz und Liechtenstein.
Was mich an meiner Arbeit aber am meisten begeistert, ist genau dieser Weg von der Idee zur Realität. Ich liebe es, wenn aus einer Frage wie „Warum geht das eigentlich nicht?“ Schritt für Schritt etwas entsteht, das es vorher so noch nicht gab.
Und vielleicht ist genau das der größte Meilenstein: aus einer persönlichen Idee eine Lösung zu entwickeln und zu einem markfähigen Produkt führte.
Frage 6: Was würdest du heute anders machen, wenn du mit twistor noch einmal ganz am Anfang stehen würdest?
Antwort 6: Würde alles gleichmachen.
Frage 7: Du hast mit twistor eine Lösung entwickelt, die nicht nur in Vorarlberg, sondern in schneereichen Regionen weltweit relevant sein kann. Wie groß denkst du twistor und wo möchtest du mit dem Unternehmen langfristig hin?
Antwort 7: Seit Jänner 2026 ist twistor am Markt – und wir sehen bereits jetzt, dass das Thema weit über Vorarlberg hinaus relevant ist. Neben dem österreichischen Markt exportieren wir unsere Systeme bereits jetzt schon erfolgreich in die Schweiz und nach Liechtenstein.
Besonders spannend war für uns die letzte Intersolar Messe in München. Dort haben wir zahlreiche Gespräche mit internationalen Interessenten und Partnern geführt – unter anderem aus Schweden, Finnland, Kanada und Japan. Das hat uns gezeigt, dass die Herausforderungen rund um Schnee, Dachflächen und Photovoltaik in vielen Regionen ganz ähnlich sind, auch wenn die Rahmenbedingungen unterschiedlich sein können.
Langfristig möchte ich twistor als international führende Lösung für automatisiertes Schneemanagement etablieren. Unser Ziel ist es, überall dort präsent zu sein, wo große Schneemengen auf Dächern zum Sicherheits-, Effizienz- oder Ertragsthema werden.
Ich bin überzeugt, dass wir mit twistor erst am Anfang stehen. Aus einer Idee aus Vorarlberg kann eine Lösung für schneereiche Regionen auf der ganzen Welt werden – und genau diese Vorstellung treibt mich an.
Frage 8: Fünf Worte die dich beschreiben
Antwort 8: Neugierig, Mutig, Lösungsorientiert, Bodenständig, Zukunftsorientiert.
Foto: Nadine Studeny





