Anna Helena Schmid hört in ihrer Praxis nicht nur zu, sondern erkennt, was zwischen den Zeilen geschieht. Als Systemische Paartherapeutin hilft sie Paaren und Einzelpersonen durch schwere Themen. Heute erzählt sie uns, wie sie den Weg in die Selbständigkeit empfand und gibt uns einen Einblick in ihre Arbeit.
Anna, du begleitest in deiner Praxis Paare durch schwierige Zeiten – ein sehr persönlicher und tiefgehender Kontext, mit dem du täglich konfrontiert wirst. Wie schaffst du es da, persönliche Distanz zu halten und ist diese Abgrenzung überhaupt Thema für dich?
Das ist tatsächlich eine ausgesprochen spannende und wichtige Frage. Ein wesentlicher Teil meiner Ausbildung war die sogenannte Selbsterfahrung – das bedeutet, dass alle Methoden, Übungen und Gesprächsinterventionen, die später mit Klientinnen und Klienten angewendet werden, zunächst an einem selbst erprobt werden. Dadurch lernt man die eigene innere Landkarte sehr gut kennen: Wo sind meine sensiblen Punkte? Wo reagiere ich besonders stark? Diese Selbstkenntnis ist die Grundlage dafür, professionell begleiten zu können, ohne sich selbst zu verlieren.
Natürlich gibt es immer wieder Fälle, die mich berühren oder in denen ich Mitgefühl und Traurigkeit empfinde – das gehört für mich dazu. Es macht Therapie menschlich und authentisch.
Gleichzeitig hilft mir die Rollenbewusstheit: Wenn ich in der Praxis bin, nehme ich bewusst meine therapeutische Rolle ein. Zu Hause bin ich Anna, privat, im Austausch mit Freunden oder Familie. In der Praxis bin ich die Therapeutin/Beraterin – mit Fokus, Ruhe und professioneller Haltung. Diese innere Klarheit schafft auf natürliche Weise Distanz und sorgt dafür, dass ich empathisch, aber nicht überlastet bleibe.
Du hast dich auf Systemische Therapie-Ansätze spezialisiert. Wie kam es dazu und worin siehst du die Vorteile in der Systemischen Therapie?
Schon früh in meinem Studium bin ich auf die Bücher von Virginia Satir gestoßen – einer der bekanntesten und prägendsten Therapeutinnen der systemischen Richtung. Ihre Arbeit hat mich von Anfang an tief berührt und fasziniert. Diese Begeisterung hat mich nicht mehr losgelassen und schließlich dazu geführt, dass ich mich ganz auf die Systemische Therapie spezialisiert habe.
Ein großer Vorteil dieses Ansatzes liegt für mich darin, dass nicht nur der einzelne Mensch betrachtet wird, sondern auch sein Umfeld – also das „System“, in dem er oder sie sich bewegt. Jeder Mensch ist Teil verschiedener Lebensbereiche: Familie, Partnerschaft, Freundeskreis, Beruf. Wir verhalten uns in jedem dieser Kontexte ein Stück weit anders, und genau darin liegen oft wichtige Hinweise auf Konflikte oder Entwicklungsmöglichkeiten.
Diese ganzheitliche Sichtweise macht die Systemische Therapie für mich so wertvoll – weil sie Zusammenhänge sichtbar macht und Menschen dabei unterstützt, ihre eigene Position im System neu zu verstehen und zu gestalten.
Wer kann von deinem Angebot profitieren und wie kann man sich ein Erstgespräch bei dir vorstellen?
Grundsätzlich kann jeder von meinem Angebot profitieren, der in einer Situation steckt, in der er oder sie alleine nicht mehr weiterkommt – sei es in der Partnerschaft oder im persönlichen Erleben von Nähe, Distanz und Selbstverständnis.
Ich habe mich auf Beziehungsthemen spezialisiert. Durch diese Spezialisierung kann ich Themen rund um Kommunikation, Verletzungen oder Beziehungsdynamiken besonders präzise erfassen und individuell begleiten.
Ein Erstgespräch dient in erster Linie dazu, sich kennenzulernen. Wir sprechen über die aktuelle Situation, über Wünsche und Ziele – und darüber, was Sie oder euch gerade am meisten beschäftigt. Es geht nicht darum, sofort Lösungen zu präsentieren, sondern darum, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und zu prüfen, ob die Chemie stimmt.
Viele spüren schon nach dem ersten Gespräch eine gewisse Erleichterung, weil sie das Gefühl haben, mit ihren Gedanken und Gefühlen nicht mehr allein zu sein.
Du hast langjährige Erfahrung als Therapeutin, aber hast dich erst kürzlich in die Selbständigkeit begeben. Wie hast du den Eintritt in die Selbständigkeit empfunden und gibt es etwas, das du im Nachhinein anders machen würdest?
Der Start in die Selbständigkeit war für mich eine unglaublich intensive Zeit. Am Anfang kam vieles gleichzeitig zusammen: organisatorische Aufgaben, Behördengänge, die Gestaltung der Praxisräume und die Ausarbeitung meiner Methoden und Tools vor Ort.
Trotzdem hat im Rückblick alles erstaunlich gut funktioniert. Natürlich gab es ein paar Stolpersteine, die ich später korrigieren musste, aber genau das gehört für mich dazu. Wenn ich etwas anders machen würde, dann wahrscheinlich, noch stärker auf meinen Unternehmensberater zu hören und mich noch bewusster auf einzelne Schritte einzulassen, statt alles gleichzeitig perfekt machen zu wollen.
Ich bin kein Fan davon, Fehler um jeden Preis vermeiden zu wollen – im Gegenteil: Gerade sie sind oft die größten Lernmomente. Ohne sie wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Das klingt oft so banal, hat man es aber einmal verstanden und erlebt, macht es einfach nur noch Sinn.
Im Vergleich zu anderen Bereichen, ist das Thema Kundenakquise im Therapie-Bereich mit mehr Limitationen verbunden. Stellt das für dich eine Herausforderung dar? Wie gehst du an die Sache heran?
Ich hatte das große Glück, mit einem hervorragenden Unternehmensberater zusammenzuarbeiten, der mich von Anfang an begleitet und mir geholfen hat, mein Angebot klar zu strukturieren und sichtbar zu machen.
Heute kommen rund 99 % meiner Klientinnen und Klienten über Google Ads – sie finden mich online und buchen ihren Termin direkt über das digitale Buchungstool. Das funktioniert schnell, unkompliziert und transparent. Genau das ist für mich der Schlüssel zur erfolgreichen Klienten Gewinnung: einfache Zugänge schaffen, klare Handlungswege bieten und Menschen die Möglichkeit geben, selbst aktiv zu werden – ohne lange Umwege.
Neben deinen zwei Standorten bietest du auch Online-Therapie an. Inwieweit spielt Digitalisierung im Therapie-Bereich eine Rolle und ergeben sich dadurch neue Herausforderungen?
Digitalisierung spielt eine immer größere Rolle – auch in der Therapie. Künstliche Intelligenz wird kommen, und wir können sie nicht aufhalten – aber wir können lernen, mit ihr zu gehen. Ich finde es unglaublich spannend zu beobachten, wie rasch sich Tools wie ChatGPT etabliert haben und welche Chancen sich daraus ergeben. Ich bin überzeugt, dass KI auch im therapeutischen Kontext ihren Platz finden wird – auf eine unterstützende, nicht ersetzende Weise.
Trotzdem zeigt meine Erfahrung, dass die meisten Menschen nach wie vor lieber persönlich in die Praxis kommen. Viele sagen, sie spüren vor Ort einfach mehr – die Atmosphäre, die Verbindung, das gemeinsame Erleben.
Online-Therapie bietet großartige Möglichkeiten, vor allem für Flexibilität und Erreichbarkeit, aber gewisse Elemente – wie Aufstellungen, Arbeit mit Symbolkarten oder körperorientierte Übungen – lassen sich vor Ort natürlich intensiver erfahren. Es wird also darum gehen, die Stärken beider Welten zu verbinden.
Wo siehst du dich und deine Arbeit in fünf Jahren? Wie möchtest du dich persönlich weiterentwickeln und was würdest du dir für deine Praxis wünschen?
Eine sehr schöne Frage – aber ich möchte noch nicht zu viel verraten. Es gibt viele große Pläne und Ideen, die gerade Schritt für Schritt Gestalt annehmen. Was ich sagen kann: Das, was jetzt da ist, ist erst der Anfang. Ich denke langfristig in größeren Zusammenhängen – hin zu einem Zentrum für Wohlbefinden und persönliche Zufriedenheit im gesamten DACH-Raum. Ein Ort, an dem Menschen nicht nur Therapie erleben, sondern ganzheitlich wachsen können – emotional, mental und vielleicht auch körperlich.
5 Worte die dich beschreiben:
Ambitioniert
Neugierig
Aufgeweckt
Motiviert
Bereit für alles was mir das Leben bringt
Mehr über Anna Helena Schmid und ihre Arbeit findest du hier
Foto: Christoph Schöch Photography





