Österreichs Jungunternehmer:innen fordern von der neuen Bundesregierung Steuersenkungen, Bürokratieabbau und die Sicherung des Wirtschaftsstandorts. Österreich soll internationale Handelsbeziehungen und Exportmöglichkeiten ausbauen. Die EU-Mitgliedschaft wird als zentraler Erfolgsfaktor gesehen, den es zu stärken gilt.
Im Rahmen des JW-Konjunkturbarometers wurde die wirtschaftliche Stimmungslage unter Österreichs Jungunternehmer:innen im Trend abgefragt, wobei zwischen dem 27. Jänner und dem 4. Februar 2025 insgesamt 920 österreichische Jungunternehmer:innen (bis 40 Jahre) durch das Market Institut online befragt wurden. Die Themen waren dabei u.a. Konjunktur-Erwartung, eigene Geschäftsentwicklung, Veränderung der Kostensituation, Verkaufspreise und Ertragslage, Investitionen und Pläne zur Einstellung von Mitarbeiter:innen, Bürokratie, Pensionsvorsorge, Arbeitskräftemangel und Internationalisierung.
Stimmungslage bei den Jungen: Wirtschaftslage bleibt angespannt
Mehr als ein Drittel der Jungunternehmer:innen (36%) rechnet mit einem (weiteren) Rückgang der Konjunktur, nur 17 % mit einem Aufschwung. Außerdem spüren 36 % der Befragten einen leichten, 31 % einen starken Rückgang beim Kaufvolumen – eine Verbesserung gegenüber den Vorjahren ist nicht erkennbar. Weiters erwarten 46 % der Jungunternehmer:innen steigende Kosten (im Sommer 2024 waren es „nur“ 41 %).
Wichtigste Forderungen: Steuerliche Entlastungen und Bürokratieabbau
Die Bürokratie landete auf Platz 1 der unternehmerischen Herausforderungen in den kommenden 12 Monaten, direkt vor Umsatzeinbußen und Arbeitskosten. Bei den benötigten Impulsen der neuen Bundesregierung sind sich die Jungunternehmen einig: 67% forderten eine Senkung der Lohnnebenkosten, 40 % eine Reduktion von bürokratischen Form- und Meldepflichten sowie 38 % die Digitalisierung und Optimierung behördlicher Prozesse.
76 % der Jungunternehmer:innen sehen Bedarf für mehr (steuerliche) Anreize für eine freiwillige, private Altersvorsorge und zwei Drittel sagen klar, dass sie sich Sorgen um ihre finanzielle Absicherung im Alter machen. 83 % plädieren für mehr steuerliche Entlastung bei Überstunden, 80 % der Befragten für weniger Steuern und Abgaben bei Arbeiten im Alter.
Bettina Dorfer-Pauschenwein, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, sagt dazu: Unsere Betriebe brauchen freie Fahrt für Innovation und Wachstum. Sie dürfen nicht länger durch Bürokratie und hohe Kosten ausgebremst werden. Der Bürokratierucksack ist viel zu schwer. Denn wir Jungunternehmer:innen sind keine Staatsdiener!“
Nachholbedarf bei Maßnahmen gegen den Arbeitskräftemangel und bei der Verbesserung des Förderwesens
Um dem Arbeitskräftemangel durch eine alternde Bevölkerung entgegenzuwirken, fordern die jungen Betriebe breit gefächerte Maßnahmen, von der Attraktivierung der Lehre (90 %), über den Ausbau der Kinderbetreuung (82 %) bis zu Leistungsanreizen für mehr Vollzeit statt Teilzeit (72 %).
52 % der Jungunternehmer:innen haben bereits einmal Förderungen in Anspruch genommen. Ähnlich viele (48 %) sehen jedoch Verbesserungspotenzial beim Förderwesen in Österreich. 60 % finden, dass es zielgerichteter und effizienter ausgestaltet werden muss.
Internationalisierung: Zukunftsstrategie für Jungunternehmen
Rechtssicherheit, internationale Handelsabkommen sowie öffentliche Diplomatie und Imagekampagnen gelten aus Sicht der Jungunternehmer:innen als Top-Maßnahmen zur Förderung der heimischen Exportwirtschaft. 87% der Jungunternehmen sehen internationale Handelsbeziehungen als entscheidend für den Standort Österreich. Ein Drittel der Jungunternehmen ist bereits im Ausland aktiv oder plant dies.
Vorarlberger Forderungen spiegeln sich auch auf Bundesebene wider
Die im vergangenen Jahr an die Vorarlberger Landesregierung gestellten Forderungen der JWV ziehen sich also durch: Bürokratieabbau, Arbeitskräftemangel und Digitalisierung beschäftigen Jungunternehmer:innen in ganz Österreich. Constanze Reichetzer, Geschäftsführerin der Jungen Wirtschaft Vorarlberg, sieht sich bestätigt: „Es freut mich, dass wir mit unseren Schwerpunkten am richtigen Weg sind. Nun heißt es: dran bleiben und weiterhin die Interessen der jungen Betriebe an die Politik heranzutragen.“





