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Insolvenzexperte Nathaniel Heinritz im Gespräch

Warum Risikomanagement für Jungunternehmen gerade jetzt entscheidend ist – Interview mit Nathaniel Heinritz

Die wirtschaftliche Lage bleibt auch in Vorarlberg herausfordernd. Als Standortleiter Feldkirch und Insolvenzexperte beim KSV1870 weiß Nathaniel Heinritz besonders gut, wie es um die Situation der heimischen Betriebe steht. Im Interview ordnet er die aktuelle Entwicklung ein, blickt auf das neue Jahr und erklärt, warum Vorsorge oft früher ansetzen sollte, als viele denken.


Im vierten Quartal 2025 ist die Zahl der insolventen Unternehmen in Vorarlberg deutlich angestiegen. Ist das ein Warnsignal für die regionale Wirtschaft?

Der Anstieg in den vergangenen Monaten ist deutlich ausgefallen und dieser Trend wird sich nach aktueller Einschätzung auch im ersten Quartal fortsetzen. Besonders angespannt ist die Lage im Baugewerbe – auch aufgrund der teils zu geringen Auftragslage. Betroffen sind nicht nur die Bauunternehmen selbst, sondern auch Betriebe aus dem Baunebengewerbe und Dienstleister. Hinzu kommt, dass gerade im Baugewerbe eine Insolvenz häufig nur der Anstoß für sogenannten Folgeinsolvenzen ist, und damit ein ganzer Kreislauf in Gang gesetzt wird. Aber, und das sei an dieser Stelle auch ganz klar gesagt: Der Wirtschaftsstandort Vorarlberg ist grundsätzlich solide aufgestellt. Dennoch ist es aufgrund der anhaltenden Herausforderungen wichtiger denn je, aktuelle Entwicklungen realistisch einzuordnen und Risiken nicht zu unterschätzen.

Welche Herausforderungen siehst du für Vorarlberger Unternehmen im Jahr 2026?

Die angespannte Situation wird auch 2026 allgegenwärtig sein, zumindest im ersten Halbjahr. Darüber hinaus gilt es abzuwarten, wie sich einzelne Faktoren, wie Kosten, Auftragslage oder Personalsituation, entwickeln. Die hohen Energiepreise und eine auch im internationalen Kontext eher trübe Stimmungslage machen der Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen. Als exportorientierte Region kämpft Vorarlberg mit schwächelnden Absatzmärkten, insbesondere in den Nachbarländern. Umso wichtiger ist es für Unternehmen, einen verlässlichen Partner an der Seite zu haben. Eine Möglichkeit dafür ist die KSV1870 Mitgliedschaft, die wir für Jungunternehmen in den ersten drei Jahren kostenlos anbieten.

Welche Vorteile bietet eine KSV1870 Mitgliedschaft für Jungunternehmen, wenn es darum geht, Risiken zu vermeiden?

Der KSV1870 begleitet Unternehmen über den gesamten wirtschaftlichen Lebenszyklus hinweg – von der Gründung über Wachstumsphasen bis hin zu herausfordernden Situationen. Gerade für Jungunternehmen ist das ein entscheidender Vorteil, weil Risiken zu Beginn oft schwer einschätzbar sind und finanzielle Puffer meist noch fehlen. Beim KSV1870 sagen wir gerne, dass es Prophylaxe nicht nur beim Arzt gibt. Was verstehen wir darunter. Risikomanagement bedeutet nicht, erst zu reagieren, wenn der Hut bereits brennt, sondern frühzeitig Vorsorge zu treffen. Wer seine Kunden und Geschäftspartner laufend im Blick behält, kann Risiken früh erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Objektive und tagesaktuelle Bonitätsauskünfte liefern dafür eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

Und wenn tatsächlich einmal der Hut brennt?

Kommt es dennoch zu Zahlungsausfällen, unterstützt der KSV1870 mit professionellem Forderungsmanagement. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es entscheidend, offene Forderungen rasch und konsequent zu verfolgen, um Liquiditätsprobleme zu vermeiden. Bleiben interne Mahnprozesse erfolglos, übernimmt das Inkasso und entlastet Unternehmen dabei, Zeit und Ressourcen zu sparen. Muss am Ende ein Geschäftspartner tatsächlich Insolvenz anmelden, dann übernimmt der KSV1870 als Gläubigervertreter die Anmeldung und Durchsetzung von Forderungen bei Gericht. So können sich Unternehmen weiterhin auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. An dieser Stelle sei vielleicht unser kostenloser InsolvenzCheck erwähnt, mit dem sich bis zu 250 Geschäftspartner gleichzeitig auf bevorstehende Insolvenzen überwachen lassen. Zudem erfolgt im Falle einer Insolvenzeröffnung eine automatische Benachrichtigung.

Gibt es Services, die speziell für Gründerinnen und Gründer interessant sein können?

Neben dem klassischen Risikomanagement, beispielsweise durch eine Bonitätsprüfung der Geschäftspartner, spielen auch datenbasierte Entscheidungen eine immer größere Rolle. Gerade für junge Unternehmen ist die Neukundenakquise ein sehr präsentes Thema in der schwierigen Aufbauphase. Unsere Marketingdaten helfen dabei, Märkte besser zu verstehen und Wachstumspotenziale realistisch einzuschätzen. Ein Vorteil, den ich als Jurist besonders schätze, ist unser kostenloser Rechtsanwaltsservice. Gerade in den ersten Unternehmensjahren kann das eine wertvolle Unterstützung sein. Mitglieder haben die Möglichkeit, monatlich eine kostenfreie Rechtsberatung bei Verbandsanwälten vor Ort in Anspruch zu nehmen.

Wie gestaltet sich dein beruflicher Alltag beim KSV1870?

Ein großer Teil meines Alltags spielt sich direkt bei Gericht ab. Ich nehme Gerichtstermine bei nahezu allen Insolvenzverfahren in Vorarlberg wahr, verhandle bestmögliche Quoten im Sinne der Gläubiger und setze deren Ansprüche durch. Gleichzeitig ist das aber nur ein Teil meiner Arbeit. Während ich in der Insolvenzvertretung tätig bin, recherchieren andere Kolleginnen und Kollegen Bonitätsinformationen, kümmern sich um Inkassofälle oder analysieren wirtschaftliche Daten. Erst dieses Zusammenspiel der unterschiedlichen Bereiche ermöglicht es uns, Unternehmen umfassend bei ihren wirtschaftlichen Tätigkeiten zu begleiten und hoffentlich zu ihrem wirtschaftlichen Erfolg beizutragen.

5 Worte, die dich beschreiben:
konstruktiv – kommunikativ – ambitioniert – sportlich – reiselustig

 

In Kooperation mit dem KSV1870

📸 Montamedia Philipp Schilcher